Der Name Alexander Schmidt dürfte mittlerweile allen Eishockey Fans in Österreich ein Begriff sein. Der ehemalige VSV Torhüter hat im Frühjahr seine Zelte in Villach abgebrochen und war seither auf Vereinssuche. Dabei ist es auch zu Gesprächen mit dem EC Bregenzerwald gekommen. Die Verhandlungen konnten vor kurzem positiv für beide Seiten beendet werden. Ali hat sich etwas abseits des Inline Turniers in Wolfurt für einige Fragen Zeit genommen.

Du warst schon 2018 beim EC Bregenzerwald, als der Verein große Probleme in der Torhüter Position hatte. Wie hast du den Verein kennengelernt in der Zeit?

Natürlich mit 18 Jahren damals war die Aufregung sehr groß, dass ich irgendwo anders einmal spielen könnte und ein bisschen Profiluft schnuppern. Dann habe ich das Go gekriegt, bin nach Vorarlberg gekommen und gut aufgenommen worden. Ich habe ein paar Spieler damals schon gekannt vom Nationalteam etc. Dann eben gegen Asiago, das kann ich mich noch genau erinnern, war mein erstes Profispiel. Ich war natürlich sehr nervös für das erste Mal und wir haben leider knapp verloren. Ganz am Ende vom letzten Drittel noch das 2:3 gekriegt. Aber trotzdem war es für mich ein Spiel, was ich so schnell nicht vergessen werde, weil es einfach eben das erste Profispiel war. Ich bin gut hineingewachsen und dann wieder zurück nach Villach gekommen mit mehr Erfahrung in meinem Gepäck. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass ich da wo es angefangen hat, jetzt meinen nächsten Schritt machen werde.

Wenn du jetzt dein 18-jähriges Ich mit dem heutigen Ali Schmidt vergleichst, wo hast du selber weiterentwickelt? Was sind die größten Unterschiede?

Also in der Größe habe ich mich nicht weiterentwickelt, leider. (lacht) Da bin ich gleichgeblieben. Aber ich sage jetzt mal vom Spielerischen her, dass ich mehr Ruhe habe, dass ich mehr Selbstvertrauen habe, dass ich in gewissen Situationen über mein Limit spielen kann. Und natürlich das Rundum Paket. Ich bin ein paar Jahre älter, habe ein paar Jahre mehr Erfahrung im Gepäck. Ich habe über 50 Spiele in der ersten Liga gehabt. Ich kann mich auf das nicht ausruhen, aber ich kann wenigstens sagen, dass ich mit einem guten Gefühl in die neue Saison hinein gehe und auch mit mehr Erfahrung und vielleicht mit weniger Nervosität, weil ich einfach weiß, ich kann auf dem Level spielen und ich brauche es eigentlich gar keinem beweisen. Und damals 2018 war es eher, schau, ich kriege die Chance, ich muss mich beweisen und jetzt ist es eher so, schau, jetzt bin ich da, jetzt zeige ich, was ich kann.

Du hast, wo klar war, dass du beim VSV nicht weitermachen wirst, in einem Interview klargestellt, dass du ein Risiko eingehen musst. Es ist jetzt natürlich sehr früh um ein Fazit zu ziehen. Aber Stand heute: Würdest du sagen, das Risiko hat sich für dich gelohnt oder hast du dich verkalkuliert?

Als ich die Entscheidung getroffen habe, dachten viele, dass ich schon was anderes im Hosensack gehabt habe. Aber nein, ich habe die Entscheidung getroffen, ohne zu wissen ob ich spielen werde, ob ich einen Vertrag nächstes Jahr kriegen werde, und überhaupt, wo ich spielen werde. Ich bin das Risiko eingegangen, weil ich für mich persönlich die Entscheidung getroffen habe, dass ich so nicht meinen nächsten Schritt machen werde. Deswegen bin ich in die Sommerpause ein bisschen mit einem unwohlen Gefühl reingegangen, was ich sonst noch nie gehabt habe, was Neuland war für mich. Aber trotzdem, es war ein cooler Sommer. Ich habe das genossen. Natürlich mit einem Auge auf die Zukunft. Dann ist eben das mit Bregenzerwald aufgekommen. Ich habe gesagt, passt, das machen wir jetzt. Weil ich die Chance kriege, ich viel spiele, ich kann mich beweisen und mehr brauche ich nicht. Ich kann mich als Einser Tormann in einer guten Liga beweisen und das will ich machen.

Du hast ja im Vorfeld auch mehrere Gespräche mit Jussi Tupamäki gehabt. War das auch ein Grund, dass du ein gutes Gefühl hattest hierher zu kommen? Oder was war das Ding, wo du gesagt hast, das ist der Verein, weil Angebote hat es sicher mehrere gegeben?

Angebote waren da, ja. Wir waren öfter kurz vor einem Abschluss, aber es war halt eben nie was Fixes. Und dann hat sich Gruntram Schedler bei meinem Agenten gemeldet und gefragt, wie es bei mir ausschaut. Und dann habe ich meinen Agenten gefragt: Du, wie schaut es eigentlich aus mit Bregenzerwald? Könnte da noch was passieren? Und dann habe ich mit dem Headcoach telefoniert, ein langes, gutes Gespräch gehabt, wo er mir erklärt hat, dass wenn ich unterschreibe, er mir das ganze Vertrauen gibt. Und ich glaube, dann war es eigentlich eh einfach für mich. Weil ich glaube, das einzige, was ich jetzt brauche in meinem Karrierestatus, ist Vertrauen. Und ja, natürlich muss ich das Vertrauen zurückgeben dem Trainer und der ganzen Organisation. Aber ich glaube, als erste Instanz ist es wichtig, dass ich das Vertrauen kriege, dass mir einfach gesagt wird, wenn es einmal ein bisschen schlecht läuft, wir bauen trotzdem auf dich und ich glaube, ich kann das Vertrauen auch gut genug zurückgeben. Das habe ich auch in den letzten Jahren bewiesen. Und deswegen habe ich gesagt, ja passt, dann machen wir das.

Für dich ist es, du lässt es schon durchklingen, eine komplett neue Situation. Du warst jetzt lange Zeit Back Up Tormann und jetzt bist du bei einem Verein, der zu 100% auf dich baut und sagt, du bist unsere klare Nummer eins. Ist das für dich die ganz große neue Herausforderung in der Saison?

Natürlich, sicher. Als Back Up bist du bist eigentlich nur der Ersatz für den Einser. Du hilfst nur aus. Ob du jetzt ein gutes Jahr hast oder nicht beeinflusst natürlich das Team, aber halt nicht zur Gänze. Und heuer ist wirklich die neue Challenge, dass ich sage okay, ich bin da, ich bin hauptsächlich für die Mannschaft da und wenn ich nicht performe, dann leidet die ganze Mannschaft darunter.
Und ich glaube, das ist eine Challenge für mich. Aber wenn du, wenn du irgendwann einmal weiterkommen willst, dann musst du den Schritt machen und wenn nicht jetzt wann dann?

Das allgemeine Problem für die Torhüter in Österreich ist ja während der letzten WM sehr präsent gewesen. Du hast in einem Interview gesagt: Es ist positiv für mich, immer bei der Nationalmannschaft dabei zu sein. Auf der anderen Seite ist es schon zach, dass ich in neun Partien in der höchsten Liga Österreich spiele und eigentlich immer im erweiterten WM Kader bin. Wie siehst du die Zukunft aus derzeitiger Sicht, wenn Starkbaum, Madlener, Kickert nicht mehr zur Verfügung stehen für Österreich?

Wenn du andere Nationen anschaust, die haben bei den Stürmern, bei den Verteidigern und den Torhütern einen sehr tiefen Kader. Und wir in Österreich leider nicht. Aber ja, du kannst sagen, es ist unsere Schuld, da sind die Tormänner Schuld, weil sind nicht gut genug oder hin oder her. Aber ich finde trotzdem, dass in Österreich den Tormännern viel zu wenig Vertrauen geschenkt wird. Wenn du in der Liga schaust, wie viele wirklich Einser Tormänner sind, ist es sehr beängstigend für die Zukunft. Aber es kommen Gute nach. Wir haben auch sehr viel gute Talente im Nachwuchs, aber die brauchen natürlich die Zeit, dass sie ihr Potenzial entfalten können. Aber sie brauchen genauso das Vertrauen, dass sie an die ganze Verantwortung heranwachsen. Im Idealfall kriegst du im Nachwuchs Vertrauen, dann gehst du einen Schritt weiter in den Profibetrieb der Alps und dann machst du den nächsten Schritt in die ICE Liga und kriegst weiterhin das Vertrauen. Aber leider ist es in Österreich nicht so. Weil einfach es zu verlockend ist für was müssen wir einen Tormann ausbilden? Weil, wir setzen einen Jungen auf die Bank, der spielt seine 10 Partien runter und als Einser holen wir einen Ausländer. Ja, es hat sich leider so etabliert bei uns. Es ist traurig, aber wir tragen jetzt die Früchte von den letzten 10 Jahre. Und ja, so wie es letztes Jahr war, eben mit Starkbaum, Kickert und Madlener. Sie sind gute Torhüter, keine Frage. Und sie haben auch das gute Recht, dass sie bei der WM dabei sind. Iim Hier und Jetzt wird es passen. Aber was ist, wenn der Starki in zwei Jahre oder in einem Jahr keinen Vertrag mehr kriegt und er entscheidet sich, aufzuhören? Was ist dann? Dann hast du eine bisschen eine Lücke, weil wer rückt nach, so wie heuer der Vorauer oder ich? Wir sind beide Back Ups mit wenig Bundesliga Erfahrung. Und willst du wirklich bei einer A WM einen dritten Tormann haben, der zehn Partien in der ICE Liga hat? Also ich befürworte das nicht, aber ich versuche mein Bestes. Ich würde gerne den nächsten Schritt machen, dass ich sage, ich stehe auf der Kaderlisten oben. Ich wäre gerne dabei, aber das ist meine Verantwortung. Aber natürlich die Vereine und der ÖEHV muss auch ein bisschen Verantwortung übernehmen. Aber es ist schwierig. Es ist ein sehr heikles Thema und man kann darüber diskutieren, was gut ist und was nicht. Aber am Ende kann in meiner Sicht nur auf mich schauen. Ich kann mein Bestes versuchen, dass ich nachrutsche. Aber ja, grob gesagt ist es sehr frustrierend in der Zukunft.

Wenn du jetzt sagst, es ist für einen ICE League Verein zu verlockend, dass er sich einen Importspieler holt. Wie würdest du die Sache angehen, dass es für sie attraktiver wird, auf einen Österreicher zu setzen?

Dass du zum Beispiel sagst, dass Ausländer im Tor zwei Importplätze kosten oder sogar drei. Dass du wirklich überlegst, will ich jetzt wirklich einen Ausländer da haben oder soll ich auf einen österreichischen Tormann setzen? Dass du einfach wirklich sagst, wenn ich einen österreichischen Tormann habe, dass es auch ein bisschen einen Vorteil gibt. Weil du hast in Österreich nicht viel Torhüter und das hat eigentlich keine Konsequenzen. Ja, okay, du hast einen Ausländerplatz weniger, dann hast du halt im Feld einen Österreicher mehr, was auch gut ist, keine Frage. Du musst ein bisschen ein Reward haben als Team, wenn du auf einen Einheimischen setzt.

Wird natürlich nicht immer auf Gegenliebe stoßen, wenn man solche Vorschläge bringt. Besonders wenn man jetzt daran denkt, dass Österreich da nicht alleine dasteht, sondern da sind andere Vereine aus anderen Nationen auch dabei.

Das ist das nächste Thema. Natürlich. Aber ich glaube, so wie Italien, wenn du die Teams anschaust, die haben in Asiago nur Italiener. In Bozen, ja, die haben einen Ausländer, aber Pustertal geht es auch mit zwei Italiener. Also von dem her, ja, kannst du jetzt sagen, was du willst, die Möglichkeit wäre da. Natürlich ist es schwierig, dass du auf einen gemeinsamen Nenner kommst innerhalb einer internationalen Liga, aber irgendwo musst du einen Startpunkt setzen, dass du sagst, da fangen wir an. Das ist der nächste Schritt, den muss man gehen.

Einfach, dass man längerfristig denkt in dem Sinne und nicht nur auf kurzfristigen Erfolg für die eigene Mannschaft. Ja klar, das ist ja auch ein Thema, dass uns in längerer Zeit beschäftigen wird in Österreich. Ich persönlich hoffe dir wirklich, dass du bei uns noch einmal die ICE Liga angreifst und auch fürs Nationalteam empfiehlst. Ich wünsche dir auf dem Weg auch alles Gute. Wenn wir jetzt den Blick mal auf diese Saison begrenzen, was hast du dir persönlich als Ziel gesetzt mit dieser Mannschaft?

Also ich muss ehrlich sagen, was ich erreichen will, sind die Play Offs mit der Mannschaft. Weil ich habe es letztes Jahr mitkriegt, wir haben in einer Qualifikationsrunde gegen Bregenzerwald gespielt mit Kitzbühel. Und da war ich nach Kitzbühel verliehen. Da habe ich mir schon gedacht, in der Truppen wäre mehr drin, als es eigentlich am Ende vom Tag rausgeschaut hat. Also in erster Instanz, Play Off schaffen ob direkt oder indirekt spielt jetzt großartig keine Rolle. Aber ja, ich freue mich auf die Verantwortung, ich freue mich auf die Challenge, was dahinter liegt. Und ich weiß, es sind viele junge Spieler, aber ich sehe mich in der Rolle, dass ich genauso als Leader in der Mannschaft auftrete, dass ich Jungen helfe, dass sie den nächsten Schritt machen. Und ich freue mich einfach auf die neue Herausforderung.

Und für dich persönlich, wenn wir jetzt daran denken, dass die WM das nächste Jahr in Prag ist, möchtest du da dabei sein?

Ich glaube, wenn ich jetzt nein sage, dann hätte ich hier nichts verloren. Aber ich muss realistisch bleiben. Ich versuche mein Bestes. Ich werde mich nur auf mich konzentrieren das ganze Jahr. Ich werde nicht großartig umdenken, ob ich am Ende vom Jahr bei der WM dabei bin. Wenn ich es bin, freu ich mich total. Dann weiß ich, dass sich das alles ausgezahlt hat. Aber wenn ich nicht dabei bin, dann lasse ich auch nicht meinen Kopf hängen, sondern ich weiß, dass ich noch hoffentlich ein paar Jahre zum spielen habe. Und ja, ich versuche einfach, dass ich es in den WM Kader schaffe. Ob es nächstes Jahr ist, ob es in drei Jahre ist, ist mir eigentlich egal. Aber ja, ich versuche einfach den nächsten Schritt zu machen. Jahr für Jahr schauen, was am Ende vom Jahr ausschaut und dann sehen wir weiter.

Noch mal von unserer Seite. Alles, alles Gute für die kommende Saison. Freut uns wirklich, dass du dich für den ECB entschieden hast.

Für alle Fans da draußen, ich glaub, wenn wir heuer eine Gaude haben, wir werden gute Spiele haben und ich freue mich.

hockeyreport.net / Presseaussendung EC Bregenzerwald

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Der Name Alexander Schmidt dürfte mittlerweile allen Eishockey Fans in Österreich ein Begriff sein. Der ehemalige VSV Torhüter hat im Frühjahr seine Zelte in Villach abgebrochen und war seither auf Vereinssuche. Dabei ist es auch zu Gesprächen mit dem EC Bregenzerwald gekommen. Die Verhandlungen konnten vor kurzem positiv für beide Seiten beendet werden. Ali hat sich etwas abseits des Inline Turniers in Wolfurt für einige Fragen Zeit genommen.

Du warst schon 2018 beim EC Bregenzerwald, als der Verein große Probleme in der Torhüter Position hatte. Wie hast du den Verein kennengelernt in der Zeit?

Natürlich mit 18 Jahren damals war die Aufregung sehr groß, dass ich irgendwo anders einmal spielen könnte und ein bisschen Profiluft schnuppern. Dann habe ich das Go gekriegt, bin nach Vorarlberg gekommen und gut aufgenommen worden. Ich habe ein paar Spieler damals schon gekannt vom Nationalteam etc. Dann eben gegen Asiago, das kann ich mich noch genau erinnern, war mein erstes Profispiel. Ich war natürlich sehr nervös für das erste Mal und wir haben leider knapp verloren. Ganz am Ende vom letzten Drittel noch das 2:3 gekriegt. Aber trotzdem war es für mich ein Spiel, was ich so schnell nicht vergessen werde, weil es einfach eben das erste Profispiel war. Ich bin gut hineingewachsen und dann wieder zurück nach Villach gekommen mit mehr Erfahrung in meinem Gepäck. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass ich da wo es angefangen hat, jetzt meinen nächsten Schritt machen werde.

Wenn du jetzt dein 18-jähriges Ich mit dem heutigen Ali Schmidt vergleichst, wo hast du selber weiterentwickelt? Was sind die größten Unterschiede?

Also in der Größe habe ich mich nicht weiterentwickelt, leider. (lacht) Da bin ich gleichgeblieben. Aber ich sage jetzt mal vom Spielerischen her, dass ich mehr Ruhe habe, dass ich mehr Selbstvertrauen habe, dass ich in gewissen Situationen über mein Limit spielen kann. Und natürlich das Rundum Paket. Ich bin ein paar Jahre älter, habe ein paar Jahre mehr Erfahrung im Gepäck. Ich habe über 50 Spiele in der ersten Liga gehabt. Ich kann mich auf das nicht ausruhen, aber ich kann wenigstens sagen, dass ich mit einem guten Gefühl in die neue Saison hinein gehe und auch mit mehr Erfahrung und vielleicht mit weniger Nervosität, weil ich einfach weiß, ich kann auf dem Level spielen und ich brauche es eigentlich gar keinem beweisen. Und damals 2018 war es eher, schau, ich kriege die Chance, ich muss mich beweisen und jetzt ist es eher so, schau, jetzt bin ich da, jetzt zeige ich, was ich kann.

Du hast, wo klar war, dass du beim VSV nicht weitermachen wirst, in einem Interview klargestellt, dass du ein Risiko eingehen musst. Es ist jetzt natürlich sehr früh um ein Fazit zu ziehen. Aber Stand heute: Würdest du sagen, das Risiko hat sich für dich gelohnt oder hast du dich verkalkuliert?

Als ich die Entscheidung getroffen habe, dachten viele, dass ich schon was anderes im Hosensack gehabt habe. Aber nein, ich habe die Entscheidung getroffen, ohne zu wissen ob ich spielen werde, ob ich einen Vertrag nächstes Jahr kriegen werde, und überhaupt, wo ich spielen werde. Ich bin das Risiko eingegangen, weil ich für mich persönlich die Entscheidung getroffen habe, dass ich so nicht meinen nächsten Schritt machen werde. Deswegen bin ich in die Sommerpause ein bisschen mit einem unwohlen Gefühl reingegangen, was ich sonst noch nie gehabt habe, was Neuland war für mich. Aber trotzdem, es war ein cooler Sommer. Ich habe das genossen. Natürlich mit einem Auge auf die Zukunft. Dann ist eben das mit Bregenzerwald aufgekommen. Ich habe gesagt, passt, das machen wir jetzt. Weil ich die Chance kriege, ich viel spiele, ich kann mich beweisen und mehr brauche ich nicht. Ich kann mich als Einser Tormann in einer guten Liga beweisen und das will ich machen.

Du hast ja im Vorfeld auch mehrere Gespräche mit Jussi Tupamäki gehabt. War das auch ein Grund, dass du ein gutes Gefühl hattest hierher zu kommen? Oder was war das Ding, wo du gesagt hast, das ist der Verein, weil Angebote hat es sicher mehrere gegeben?

Angebote waren da, ja. Wir waren öfter kurz vor einem Abschluss, aber es war halt eben nie was Fixes. Und dann hat sich Gruntram Schedler bei meinem Agenten gemeldet und gefragt, wie es bei mir ausschaut. Und dann habe ich meinen Agenten gefragt: Du, wie schaut es eigentlich aus mit Bregenzerwald? Könnte da noch was passieren? Und dann habe ich mit dem Headcoach telefoniert, ein langes, gutes Gespräch gehabt, wo er mir erklärt hat, dass wenn ich unterschreibe, er mir das ganze Vertrauen gibt. Und ich glaube, dann war es eigentlich eh einfach für mich. Weil ich glaube, das einzige, was ich jetzt brauche in meinem Karrierestatus, ist Vertrauen. Und ja, natürlich muss ich das Vertrauen zurückgeben dem Trainer und der ganzen Organisation. Aber ich glaube, als erste Instanz ist es wichtig, dass ich das Vertrauen kriege, dass mir einfach gesagt wird, wenn es einmal ein bisschen schlecht läuft, wir bauen trotzdem auf dich und ich glaube, ich kann das Vertrauen auch gut genug zurückgeben. Das habe ich auch in den letzten Jahren bewiesen. Und deswegen habe ich gesagt, ja passt, dann machen wir das.

Für dich ist es, du lässt es schon durchklingen, eine komplett neue Situation. Du warst jetzt lange Zeit Back Up Tormann und jetzt bist du bei einem Verein, der zu 100% auf dich baut und sagt, du bist unsere klare Nummer eins. Ist das für dich die ganz große neue Herausforderung in der Saison?

Natürlich, sicher. Als Back Up bist du bist eigentlich nur der Ersatz für den Einser. Du hilfst nur aus. Ob du jetzt ein gutes Jahr hast oder nicht beeinflusst natürlich das Team, aber halt nicht zur Gänze. Und heuer ist wirklich die neue Challenge, dass ich sage okay, ich bin da, ich bin hauptsächlich für die Mannschaft da und wenn ich nicht performe, dann leidet die ganze Mannschaft darunter.
Und ich glaube, das ist eine Challenge für mich. Aber wenn du, wenn du irgendwann einmal weiterkommen willst, dann musst du den Schritt machen und wenn nicht jetzt wann dann?

Das allgemeine Problem für die Torhüter in Österreich ist ja während der letzten WM sehr präsent gewesen. Du hast in einem Interview gesagt: Es ist positiv für mich, immer bei der Nationalmannschaft dabei zu sein. Auf der anderen Seite ist es schon zach, dass ich in neun Partien in der höchsten Liga Österreich spiele und eigentlich immer im erweiterten WM Kader bin. Wie siehst du die Zukunft aus derzeitiger Sicht, wenn Starkbaum, Madlener, Kickert nicht mehr zur Verfügung stehen für Österreich?

Wenn du andere Nationen anschaust, die haben bei den Stürmern, bei den Verteidigern und den Torhütern einen sehr tiefen Kader. Und wir in Österreich leider nicht. Aber ja, du kannst sagen, es ist unsere Schuld, da sind die Tormänner Schuld, weil sind nicht gut genug oder hin oder her. Aber ich finde trotzdem, dass in Österreich den Tormännern viel zu wenig Vertrauen geschenkt wird. Wenn du in der Liga schaust, wie viele wirklich Einser Tormänner sind, ist es sehr beängstigend für die Zukunft. Aber es kommen Gute nach. Wir haben auch sehr viel gute Talente im Nachwuchs, aber die brauchen natürlich die Zeit, dass sie ihr Potenzial entfalten können. Aber sie brauchen genauso das Vertrauen, dass sie an die ganze Verantwortung heranwachsen. Im Idealfall kriegst du im Nachwuchs Vertrauen, dann gehst du einen Schritt weiter in den Profibetrieb der Alps und dann machst du den nächsten Schritt in die ICE Liga und kriegst weiterhin das Vertrauen. Aber leider ist es in Österreich nicht so. Weil einfach es zu verlockend ist für was müssen wir einen Tormann ausbilden? Weil, wir setzen einen Jungen auf die Bank, der spielt seine 10 Partien runter und als Einser holen wir einen Ausländer. Ja, es hat sich leider so etabliert bei uns. Es ist traurig, aber wir tragen jetzt die Früchte von den letzten 10 Jahre. Und ja, so wie es letztes Jahr war, eben mit Starkbaum, Kickert und Madlener. Sie sind gute Torhüter, keine Frage. Und sie haben auch das gute Recht, dass sie bei der WM dabei sind. Iim Hier und Jetzt wird es passen. Aber was ist, wenn der Starki in zwei Jahre oder in einem Jahr keinen Vertrag mehr kriegt und er entscheidet sich, aufzuhören? Was ist dann? Dann hast du eine bisschen eine Lücke, weil wer rückt nach, so wie heuer der Vorauer oder ich? Wir sind beide Back Ups mit wenig Bundesliga Erfahrung. Und willst du wirklich bei einer A WM einen dritten Tormann haben, der zehn Partien in der ICE Liga hat? Also ich befürworte das nicht, aber ich versuche mein Bestes. Ich würde gerne den nächsten Schritt machen, dass ich sage, ich stehe auf der Kaderlisten oben. Ich wäre gerne dabei, aber das ist meine Verantwortung. Aber natürlich die Vereine und der ÖEHV muss auch ein bisschen Verantwortung übernehmen. Aber es ist schwierig. Es ist ein sehr heikles Thema und man kann darüber diskutieren, was gut ist und was nicht. Aber am Ende kann in meiner Sicht nur auf mich schauen. Ich kann mein Bestes versuchen, dass ich nachrutsche. Aber ja, grob gesagt ist es sehr frustrierend in der Zukunft.

Wenn du jetzt sagst, es ist für einen ICE League Verein zu verlockend, dass er sich einen Importspieler holt. Wie würdest du die Sache angehen, dass es für sie attraktiver wird, auf einen Österreicher zu setzen?

Dass du zum Beispiel sagst, dass Ausländer im Tor zwei Importplätze kosten oder sogar drei. Dass du wirklich überlegst, will ich jetzt wirklich einen Ausländer da haben oder soll ich auf einen österreichischen Tormann setzen? Dass du einfach wirklich sagst, wenn ich einen österreichischen Tormann habe, dass es auch ein bisschen einen Vorteil gibt. Weil du hast in Österreich nicht viel Torhüter und das hat eigentlich keine Konsequenzen. Ja, okay, du hast einen Ausländerplatz weniger, dann hast du halt im Feld einen Österreicher mehr, was auch gut ist, keine Frage. Du musst ein bisschen ein Reward haben als Team, wenn du auf einen Einheimischen setzt.

Wird natürlich nicht immer auf Gegenliebe stoßen, wenn man solche Vorschläge bringt. Besonders wenn man jetzt daran denkt, dass Österreich da nicht alleine dasteht, sondern da sind andere Vereine aus anderen Nationen auch dabei.

Das ist das nächste Thema. Natürlich. Aber ich glaube, so wie Italien, wenn du die Teams anschaust, die haben in Asiago nur Italiener. In Bozen, ja, die haben einen Ausländer, aber Pustertal geht es auch mit zwei Italiener. Also von dem her, ja, kannst du jetzt sagen, was du willst, die Möglichkeit wäre da. Natürlich ist es schwierig, dass du auf einen gemeinsamen Nenner kommst innerhalb einer internationalen Liga, aber irgendwo musst du einen Startpunkt setzen, dass du sagst, da fangen wir an. Das ist der nächste Schritt, den muss man gehen.

Einfach, dass man längerfristig denkt in dem Sinne und nicht nur auf kurzfristigen Erfolg für die eigene Mannschaft. Ja klar, das ist ja auch ein Thema, dass uns in längerer Zeit beschäftigen wird in Österreich. Ich persönlich hoffe dir wirklich, dass du bei uns noch einmal die ICE Liga angreifst und auch fürs Nationalteam empfiehlst. Ich wünsche dir auf dem Weg auch alles Gute. Wenn wir jetzt den Blick mal auf diese Saison begrenzen, was hast du dir persönlich als Ziel gesetzt mit dieser Mannschaft?

Also ich muss ehrlich sagen, was ich erreichen will, sind die Play Offs mit der Mannschaft. Weil ich habe es letztes Jahr mitkriegt, wir haben in einer Qualifikationsrunde gegen Bregenzerwald gespielt mit Kitzbühel. Und da war ich nach Kitzbühel verliehen. Da habe ich mir schon gedacht, in der Truppen wäre mehr drin, als es eigentlich am Ende vom Tag rausgeschaut hat. Also in erster Instanz, Play Off schaffen ob direkt oder indirekt spielt jetzt großartig keine Rolle. Aber ja, ich freue mich auf die Verantwortung, ich freue mich auf die Challenge, was dahinter liegt. Und ich weiß, es sind viele junge Spieler, aber ich sehe mich in der Rolle, dass ich genauso als Leader in der Mannschaft auftrete, dass ich Jungen helfe, dass sie den nächsten Schritt machen. Und ich freue mich einfach auf die neue Herausforderung.

Und für dich persönlich, wenn wir jetzt daran denken, dass die WM das nächste Jahr in Prag ist, möchtest du da dabei sein?

Ich glaube, wenn ich jetzt nein sage, dann hätte ich hier nichts verloren. Aber ich muss realistisch bleiben. Ich versuche mein Bestes. Ich werde mich nur auf mich konzentrieren das ganze Jahr. Ich werde nicht großartig umdenken, ob ich am Ende vom Jahr bei der WM dabei bin. Wenn ich es bin, freu ich mich total. Dann weiß ich, dass sich das alles ausgezahlt hat. Aber wenn ich nicht dabei bin, dann lasse ich auch nicht meinen Kopf hängen, sondern ich weiß, dass ich noch hoffentlich ein paar Jahre zum spielen habe. Und ja, ich versuche einfach, dass ich es in den WM Kader schaffe. Ob es nächstes Jahr ist, ob es in drei Jahre ist, ist mir eigentlich egal. Aber ja, ich versuche einfach den nächsten Schritt zu machen. Jahr für Jahr schauen, was am Ende vom Jahr ausschaut und dann sehen wir weiter.

Noch mal von unserer Seite. Alles, alles Gute für die kommende Saison. Freut uns wirklich, dass du dich für den ECB entschieden hast.

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